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Werftpfuhl Horrostory – WHS

Ein Beitrag von Selin Altintel und Antonia Naase

Kurt Löwenstein Haus innenhof

Passend zum Herbst begeben sich alle Zombies in die Clubs der Unterwelt. Auch wir standen nicht still, haben uns ein Bier geschnappt und sind losgezogen, nach Werneuchen zu unserer Seminarfahrt. Aber seht selbst…

Morgen geht’s los. Die erste Seminarfahrt steht an. Nach… wo nochmal? Brandenburg. Werneuchen. Noch nie was von gehört, halt irgendein Kaff. Immerhin sind ja noch 69 andere Jugendliche hier. Vielleicht wird es ja doch ganz lustig. Das Haus sieht auch echt nice aus.

Während der Erkundungstour durchs Haus entdecken wir ein paar skurrile Dinge. Was hat es mit dieser Bronzeskulptur an der Wand auf sich? Und das Haus steht hier schon seit 1907? Über 100 Jahre. Was war das hier eigentlich früher?

Bronzestatue

Kinderheim – Jugendwerkhof für Schwererziehbare Kinder – Psychiatrie

Sonne überm Dach

Leben ist Veränderung. Genau das erkennen wir auch in der Geschichte des Hauses wieder. 1907 war das Gebäude ein Waisenheim für Mädchen. Das Haus wurde von Paul Baumgarten konzipiert, so fortschrittlich, wie es zu damaligen Verhältnissen eben möglich war.

Innenschrift Hauswand

20 Jahre später musste das Heim wegen der aufkommenden Inflation das Gebäude verlassen. Ab da ging es bergab. In den 50er Jahren wurde das Heim als Jugendwerkhof unter schlimmsten Bedingungen genutzt. Sogar psychologische Therapien wurden durchgeführt – und das nicht von der netten Sorte. Jugendliche, die nicht dem sozialistischen Ideal entsprachen, sollten dort widerwillig in das Gesellschaftsbild der DDR gedrängt werden.

Türklinke

Unter menschenunwürdigen Bedingungen waren die Jugendlichen Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt. Auch heute noch leiden die damaligen Insassen unter posttraumatischen Belastungsstörungen. „Als er einmal versehentlich auf den Fußboden urinierte, war er […] vom Heimleiter zu ausufernden Reinigungsarbeiten gezwungen worden.[…] Dabei schlug ihm der Heimleiter mit der Faust ins Gesicht. “

Flur

Treppenhaus

Heute bekommt man davon glücklicherweise nichts mehr mit. Das Haus bietet Seminare für Kinder und Jugendliche an. Sie setzen sich hier unter anderem mit Themen wie Rassismus, Kommunikation und Berufsorientierung auseinander. Somit konnte der Grundbaustein von Kurt Löwensteins Ideologie, der Gründer des Hauses, wieder aufgegriffen und umgesetzt werden. Er hatte sich während der Weimarer Republik für Kinderrechte und Schulreformen engagiert.

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