Zurück zum Content

Demosamstag, der 17.09.2016, in Berlin

Ein Beitrag von Abdu Baack

Image of a group of policemen
Photo by Abdu Baack

Ich war am Samstag, den 17.09., in Berlin auf zwei Demos unterwegs. Was so los war, erfahrt ihr hier.

Morgens ab 9:30 riefen mehrere Organisationen dazu auf sich auf dem Hermannplatz der NPD entgegen zu stellen. Gerade in Betracht auf die Wahlen einen Tag später versuchte die NPD noch mal etwas Wahlkampf zu betreiben, um dann doch noch die fünf % Hürde zu überwinden. Wie wir seit ein paar Tagen wissen, haben sie es glücklicherweise nun doch nicht geschafft und bleibt deshalb bis auf Weiteres nicht in den Landtagen Deutschlands vertreten.
Nun kamen wir etwas verspätet auf dem Hermannplatz an. Von Glatzen weit und breit nichts zusehen. Dafür viele Antifas, was für mich ein weit angenehmeres Bild ist.
Kurz nach zehn begann die Kundgebung und die Sprecherin verkündete, dass die NPD-Kundgebung in Nordneukölln wieder einmal kurzfristig abgesagt wurde. Dies passierte vor ein paar Monaten bereits einmal bei einer geplanten NPD-Kundgebung in der Karl-Marx-Straße unweit vom Hermannplatz entfernt. Nach kurzem Jubel über diesen kleinen Erfolg verriet die Sprecherin ebenfalls, dass die NPD dafür aber Kundgebungen in Südneukölln, zwischen der Johannisthaler Chaussee und U-Bahnhof Rudow geplant hätte. Nach Bekanntgabe dieser Information fuhr die Demonstrationsgruppe in kleineren Grüppchen zur Wutzkyalle, um dort eine Kundgebung der NPD zu stören. Dies gelang auch, wäre die Polizei nicht in letzter Sekunde dazwischen gegangen, hätten circa sechs bis 10 NPDler um die 60 Antifas gegenübergestanden. Müsste ich die Stimmung interpretieren, wäre ich davon ausgegangen, dass es nicht bloß beim reinen anschreien geblieben wäre.
Nachdem dann die Antifas zurückgedrängt wurden, kam der übliche Schwachsinn von den NPDlern. Zuerst ein paar Reden darüber, wie schlecht es Deutschland doch geht aufgrund der Ausländer, in erster Linie sind sowohl die Türken, als auch die Araber schuld, das übliche Nazigeschwafel halt. Danach kam nicht ertragbare Nazimusik und so wechselte sich eine schlechte Rede und schlechte Musik ab.
Um Viertel vor zwölf zogen wir dann weiter, um zur Gegendemonstration zum Marsch für das Leben zu kommen. Unter dem Motto: „Euer Schweigen könnt ihr euch schenken! Lieber Feminismus feiern!“ zogen um die 3000 Menschen durch die City, um gegen Diskriminierung jeglicher Art und gerade auch gegen sexuelle Diskriminierung und Bevormundung zu demonstrieren. Antirassismus spielte wie so oft bei solchen Demonstrationen eine wichtige Rolle. Bis auf einen Zwischenfall am Checkpoint Charlie, wo ein junger Mann den Hitlergruß zeigte, sofort schritt natürlich die Polizei ein, um den Typen vor der aufgebrachten Menge zu schützen, zog die Demonstration ungestört bis zum Zielpunkt, in der Behrensstraße nahe Unter den Linden, unweit der „Marschroute“. Es gab einige interessante Ansprachen, gute Musik und gute Laune. Logischerweise begaben sich die Antifas nach offiziellem Demoschluss in Richtung der „Marschroute“, um dort so viel wie möglich zu blockieren. Als die Polizei dies bemerkte, sperrten sie die Route ab und errichteten Polizeiketten. Was es für Journalisten ohne Presseausweis sehr kompliziert macht auch nur irgendwie in die Nähe der Demo zu kommen. Nach mehreren Versuchen mithilfe unserer größten Kameras und Objekte als Presseausweisersatz auf die Route zu kommen haben wir diese Unternehmung abgebrochen. Anstatt dessen haben wir uns einer Gruppe von Antifas angeschlossen, die ziemlich entschlossen schien, demnächst durch eine Absperrung durchzubrechen. Immer an der Absperrung entlang gehend, schaut die Gruppe von circa 35 Leuten, wo die Polizei möglicherweise einen Zaun, einen Hinterhof oder einen Parkplatz übersehen haben könnte. Man einigte sich darauf über einen Zaun zu klettern, der eine Grenze zum Charité-Gelände darstellt und dann die vor Ort stehenden sechs Polizisten zu „durchfließen“, wie es Blockupy in einem Promovideo für die Demo hier in Berlin so schön ausdrückte. Wie als hätte die Polizei diesen Versuch geahnt, kamen nachdem mehr als 25 Leute über den Zaun geklettert waren zwölf weitere Polizisten und zögerten nicht lange ihre Tonfas und ihr Pfefferspray zu benutzen.

Nach diesem missglückten Versuch löste sich die Gruppe auf und wir wanderten wieder zur Absperrung vor dem Friedrichstadtpalast. Im weiteren Verlauf gab es immer mal wieder Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, das übliche Provozieren beider Seiten.

Weitere Bilder von mir gibt es hier.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.