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1 Jahr Paris Attacks – Konfrontation in der Stadt der Liebe

Zwei junge Männer laufen auf der Straße in Paris in der Nacht der Anschläge
Photo by Abdu Baack

Am kommenden Sonntag vor genau einem Jahr bedrohten Terroristen die Sicherheit vieler Personen in Paris, unter anderem meine. Was genau geschah und warum ich Sonntag wieder in Paris sein werde, könnt ihr hier nachlesen.

Worum geht es?

Donnerstag bis Sonntag war der Plan. Vier Tage Paris, das erste Mal in Paris, das zweite Mal in Frankreich. Zusammen mit einer Gruppe von knapp 80 Leuten ging es darum internationale Zusammenarbeit zu stärken, in der Jugendarbeit als auch zwischenmenschlich um ein friedliches Zusammenleben in Europa für die Zukunft zu sichern. Zusätzlich dazu sollte es für mich am Samstag, den 14.11., eine Premiere geben. Zusammen mit anderen Teilnehmern eines Deutsch-Französischen Fotografieworkshops sollte ich meine erste Ausstellung eröffnen dürfen. Mein erster Schritt, von vielen Weiteren folgenden, in Richtung professioneller Fotograf. Ich war nicht aufgeregt, freute mich aber drauf. Dutzende neue Leute und eine Sprache, die ich weder kannte, noch beherrschte, aber die mich faszinierte.
Donnerstag stand es noch in den Sternen, ob wir die Karten für das Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland bekommen würden. Freitagmittag stand dann fest, dass wir ins Stadion gehen können. Ich war mir längere Zeit nicht sicher, ob ich hingehen will, da ich eigentlich die Möglichkeit in Paris zu sein nutzen wollte, um ein paar Touri-Mäßige Fotos der Sehenswürdigkeiten in Paris, zu machen. Ich entschied mich für das Stadion, da es auch den Anschein machte das wohl die meisten ins Stadion gehen und ich nicht alleine ohne französische Sprachkenntnisse durch Paris laufen wollte. Im Nachhinein wohl die bessere Entscheidung, aber wer kann das schon wissen. Besonders Makaber, vorher machte ich noch den Witz das heute Freitag der 13. sei und das Unglück uns wohl heute heimsuchen wird. In dem Moment war es witzig, weil in der Regel ja sowieso nichts passiert. „Ausnahmen bestätigen die Regel“, kann man dazu wohl nur sagen. 

Den weiteren Verlauf des Abends muss ich hier wohl nicht weiter beschreiben, den dürfte man nun wohl kennen. Wir versuchten halt als circa 50 Personen starke Gruppe sicher nach Hause zu kommen. Eine Erfahrung die ich nie vergessen werde, da sie mich auch nachhaltig geprägt hat, nicht nur der Heimweg, sondern der gesamte Abend.

Warum schreibe ich nun ein Jahr danach davon?

In dem vergangenen Jahr ist viel passiert. Sowohl global betrachtet, als auch in meinem Mikrokosmos. Ich habe bei den Anschlägen Fotos gemacht, als Reflexhandlung, ich werde öfter gefragt, warum ich das gemacht habe. Ich kann es mir auch nicht erklären, ich habe es einfach gemacht. 
Diese Fotos habe ich einen Monat lang in Berlin ausstellen dürfen. Die Resonanz war durchweg positiv, was bei diesem Thema natürlich immer nicht so einfach ist. Öfter habe ich mich gefragt, ob es moralisch vertretbar ist Bilder eines so schrecklichen Abends unter diesen Bedingungen zu veröffentlichen. Ich bin zum Punkt gekommen, dass es durchaus legitim ist. 
Nun werde ich ein Jahr später wieder nach Paris fliegen – ich werde wieder fotografieren und auch diese Bilder werde ich wieder in Form einer Ausstellung veröffentlichen. Zusammen mit zwei anderen Fotografen, Boris Bocheinski und Diana D’Angelo, mit denen ich zusammen in Paris war. Wir werden den Jahrestag der Anschläge auf verschiedene Arten beleuchten. Ich werde eine Gegenreihe zu meiner bereits existierenden Ausstellung fotografieren. Diana wird verschiedene Jugendliche interviewen und porträtieren und Boris wird ein Making-of der Arbeit produzieren. Zusätzlich dazu werden wir fotodokumentarisch den Abend der Trauer in Paris festhalten. Ein Projekt, auf das ich mich schon sehr freue.

Ich bin gespannt, wie ich psychisch mit dieser Konfrontation umgehen werde und wie „gut“ ich die Erfahrung des letzten Jahres „verarbeitet“ habe. 
Bis zum Stand der Erkenntnis freue ich mich auf das Projekt und werde euch Tagebuch-mäßig auf dem laufenden halten.
Anbei noch einen kleinen Pressespiegel zu Paris und meiner Arbeit:

Interview bei jup!Berlin
Interview beim Tagesspiegel
Ausschreibung meiner Ausstellung

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